800 Afrikaner, 4 Priester und ich

Es ist Wochenende und ich habe heute gelernt, dass es hier üblich ist, Samstags immer irgendwo etwas zu feiern: Verlobungen, Hochzeiten, Geburtstage, sonstiges. Ich war heute auf einer Verlobung – die ich jedoch die ganze Zeit für eine Hochzeit hielt – und danach habe ich das erste Mal in meinem Leben einer kirchlichen Trauung beigewohnt (und gemerkt, dass das davor etwas anderes war ;-) ) Dieser Fakt des „ersten Mals“ hat die gastfreundlichen Menschen hier natürlich sehr begeistert.

Die Trauung war ein Spektakel und ein Schauspiel. Ein Spektakel, weil Afrikaner Freude ja viel schöner zeigen: Freudenschreie, winken, singen, klatschen, trommeln, tanzen. Ein Schauspiel, weil es Romantik vermutlich nur bei uns gibt. Hier werden die Ehepartner von den Eltern zusammengestellt und es gibt eine Mitgift, die bei Wasser und Kaffeebohnen ausgezahlt wird. Hinzu kommt natürlich, dass hier ja alles sehr prüde zugeht. Das höchste der Gefühle (vielleicht gar ganz wörtlich…) bei dem Punkt „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“ ist ein Wange-an-Wange-links-Wange-an-Wange-rechts. Das halbe Busserl des Bräutigams auf die Wange der Braut hatte die Mädels in meiner Bank schon in Aufruhr versetzt. 

Und so kam es, dass ich heute – natürlich vollkommen underdressed – plötzlich zu Gast in zwei fremden Leben war. 

Bis eben dann war ich noch auf der Hochzeitsfeier… 

Geheiratet hatten übrigens etwas besser verdienende und die Feier fand in einer großen Halle statt. 800 Ugander aus Buyamba, Kyotera, Kampala und sonst wo her, 4 Priester und ich tranken in dem kitschig pink-gelb geschmückten Saal Wasser, Bier und Limo. Wobei es nicht für alle Gäste Freigetränke gab – irgendwie muss man die Kosten für die Sause ja wieder reinbekommen. 

Die Geschenke für das Brautpaar werden übrigens tanzend ausgehändigt. Wenn man den Saal betritt, reiht man sich ein, tanzt sich nach vorne, Jubel, und tanzt weg. Ich habe kurz vor knapp die Biege aus der Tanzreihe gemacht. Ich war nicht nur underdressed, ich hatte auch kein Geschenk… 

Danach wollte ich mich an Wasser halten, doch Father Charles wollte unbedingt, dass ich das Bier aus Uganda probiere… Ich bin keine Biertrinkerin… Augen zu und durch. 

Wir sind früh gegangen und ich falle jetzt müde ins Bett.

Good night.

Stefanie

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