Helm und so…

Für erste Eindrücke von heute please click on Stiftungs-Blog

Und noch noch ganz kurz (ich bin müde):

In Ruanda besteht Helmpflicht. Hygienefanatiker würden ob der möglichen Belastung durch Bakterien, Läuse und mehr vermutlich die Krise kriegen. Ich bin ein Hygienefanatiker, aber nicht immer ;-) Wo man durch muss und durch will, muss man durch (siehe dazu auch Foto vom Public WC am Busbahnhof… Weia weia weia)

In Nyamata war ich heute zweimal in einem WC eingesperrt! Aber dazu vielleicht morgen mehr. 

Gute Nacht ;-)
Stefanie 

   
 

Dieses wunderbare Leben…

Immer dann, wenn wir einem Menschen begegnen, begegnen wir einer Fülle an Momenten, die nur jedem selbst vorbehalten und ganz persönlich sind. Und wie so oft zerreißt es mich, wenn mir bewusst wird, dass es jeden dieser Augenblicke nur ein einziges Mal genauso geben wird. Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder unwiderruflich verloren und können nur nachgefühlt und erinnert werden. Menschen werden Teil des eigenen Lebens, können dort ganz nah, ganz intensiv sein und wieder gehen, wieder fremd werden. Wie soll man nur all‘ die eigenen Lebenssekunden komplett wahrnehmen und fühlen? So oft klagt man, das man älter wird. Doch mit jeder Sekunde gewinnt man. Man gewinnt ein in-die-Augen-sehen, ein Fingerspitzen-fühlen, einen Blumenstrauß Atmosphäre, Klänge, Lichter, Gänsehaut, Gedanken und Worte, man atmet gemeinsam ein und aus. Und immer wieder muss man loslassen. Und immer wieder darf man sich freuen. Und immer wieder fühlt man Sehnsucht nach verlorenen oder zukünftigen Momenten. Wie gerne würde ich mich einzig von dem Gefühl tragen lassen, dass diese wertvollen Momente in mir drin bewahrt bleiben. Egal wie weh es tut, dass es sie nur ein einziges Mal gibt.

Allein mein Jahr 2014 ist schon jetzt grandios. Ich durfte soviel auf mich einwirken lassen, habe soviele Flecken dieser Welt erleben dürfen, so viele Menschen kennenlernen dürfen. Und am Ende bleibt für alles, ob angenehm mild oder schmerzhaft rau für mich nur eine Alternative: Glücklich sein. Und das ist wie tanzen. Jeden Tag. Ich bin dankbar, für mein wunderbares Leben.

Ein kleines Resümee

Seit ich in Peru war, vor allem, seit ich mich an meinem letzten Tag in Lima lange mit Gina unterhalten habe, reagiere ich gereizt auf „Bettler“. Ich weiß nicht, ob das angemessen oder überzogen von mir ist. Doch dieser Wandel in meinen Gedanken zeigt mir, dass es in mir arbeitet.

Viele Gespräche nach meiner Rückkehr modifizierten meine Gedanken, meine Ideale, meine Sicht der Dinge – und zwar schneller und tiefgründiger, als gewöhnlich. Es ist, als sei mein Weltbild ein Zauberwürfel, der eine Weile mit einer roten und einer weißen Fläche teilgelöst in der Ecke lag, und der nun wieder gedreht wird – flexibel und schnell.

U-Bahn-Gedanken
Ich saß nach meiner Rückkehr in der U5 in Berlin, als ein junger Mann durch die Gänge zog, sein Leid klagte und ein paar Euro erbat. Ich musste an mich halten, ihn nicht vorzuführen, ihm nicht wütend zu empfehlen, sich an eine Beratungsstelle für Straßenkids zu wenden. Doch ich besann mich. Denn mir fehlt Hintergrundwissen. Ich weiß nicht, wie leicht man tatsächlich zurück ins Versorgungssystem unseres Staates zurückfinden könnte, wenn man sich nur bemüht und sich vom Verteilen des „Straßenfegers“ loslöst. Ich weiß nicht, welche Lücken es im Sozialleistungsdschungel gibt, und auch nicht, welche Wege zu wirklichem Hunger in unserem Land führen können. Derart zu reagieren, nur weil ich gesehen habe, unter welchen schweren Bedingungen Leben auch gelingen kann, wäre arrogant.

Einige Tage später saß ich dann mit meiner Freundin gesprächig im Auto und posaunte naiv heraus, dass ich zwei, drei Wochen sicher ohne Strom auskäme (Thema war die Energiewende). Was für eine unbedachte Aussage, denn erproben konnte ich es bisher noch kein einziges Mal. Sie hingegen schon. Ich wurde kleinlaut, vieles hatte ich nicht bedacht, nur an die Familien in Sondoveni gedacht, die tagein, tagaus ohne Strom und fließend Wasser leben.

Was ist richtig?

Schon während meiner abenteuerlichen Tour hatte ich mich immer wieder gefragt, ob DAS richtig ist. Ob „Naturvölker“ lesen und schreiben müssen, Straßen brauchen… Doch vielleicht ist die Sachlage ganz klar „Ja“? Ein Blick auf den aufgeblähten Bauch eines Mädchens genügt, um dies zu belegen. Und auch gibt es eine Welt drumherum, eine Welt, in der man Steuern zahlen muss, eine Welt, in der die Erde mit ihren Rohstoffen nicht einfach jedem gehört. Der Punkt, an dem ein Leben in Selbstversorgung gelingen kann, ist längst überschritten. Das, was in Deutschland ja mittlerweile hip ist, drängt die Naturvölker in Peru ins Leid. So simpel und abgedroschen es klingt: Die Welt dreht sich weiter. Die Menschen wuseln weiter.

Und so kam ich immer wieder ins Grübeln. Dachte über Lebensstandards nach, über Werte, über Lebensziele, Lebensinhalte und sonstige mehr oder weniger relevante Themen, deren Diskussion hier zu weit führt. Doch am Ende bleibt der Zauberwürfel noch immer bunt und ungelöst.

Sig

Stefanie mit zerzaustem Haar und nunmehr rosa Näschen meldet sich zu Wort

Ich sitze gerade im Bircher Benner, einem vegetarischem Restaurant in Lima, trinke – total toll! – Karambolasaft und bin ganz gespannt auf mein, äh, „Vegetarisches Fleisch mit Kürbis, Mais-Sauce, Koriander, Reis, Yuca und Dip“. Das klang so abenteuerlich, dass ich es bestellen musste ;-) Und so sah das dann aus:

image

War aber lecker ;-)

Ich komme gerade von meinem Ruinen-Trip wieder (hier gibt es mitten in der Stadt zwei Ausgrabungsstätten, spannend! Die eine hatte jedoch leider heute geschlossen) und freue mich, dass ich sie heute nun endlich hatte: Die durch-Taxifahrer-Selbstwert-Push-Situation, muhahahaha. Nachdem ich mich in meinen Peru-Tagen ja super unattraktiv finde (hohe Luftfeuchtigkeit führt dazu, dass ich mein Haar einfach nicht bändigen kann, Hitze führt dazu, dass Make Up überflüssig bzw. flüssig ist, schrecklich!!! ;-) ) und schon schier verzweifelt war, da nicht ein einziger Taxifahrer mich heiraten wollte (Yusufpendant, wo bist Du nur?) trat Carlo in mein Leben ;-) ;-) ;-) In einem Gruscht aus Englisch, Spanisch und Körpersprache gab er mir zu verstehen, dass deutsche Frauen ja ganz beautiful seien und er geschieden ist, gefolgt von der Frage, ob ich single sei. Aus Sicherheitsgründen antwortete ich, dass ich einen Freund hätte. Kurz vor Fahrtende wiederholte er die Frage nochmal, doch ich musste ihn wieder enttäuschen. Armer Kerl :-) Aber juchu, ich habe derartige Situationen schon vermisst 8-)

Im Bus durch Miraflores

Es ging sehr freundlich weiter. Denn da ich relativ viel durch die Gegend laufe und heute etwas gerädert bin (knacksendes Innenohr und andere kleinere Wehwehchen; Mama, kein Grund sich zu sorgen :-) Willy, das Semikolon da ist nur für Dich :D ), bin ich ganz spontan in einen dieser Busse eingestiegen, die hier durch die Gegend fahren. Da springen dann immer so Männer heraus und bewerben die Fahrt mit diesem Bus. Ich wollte Richtung Küste fahren und in oben erwähntes Restaurant einkehren und wusste, dass ich da geradeaus muss. Ich dachte mir: Wenn der Bus irgendwo abbiegt, steige ich eben beim nächsten Halt aus. Doch die Peruaner sind ja ein sehr freundliches Volk und wollten wissen, wo ich hin möchte. Blöd nur, dass wir uns sprachlich nicht verständigen konnten. Habe also meinen Stadtplan von Miraflores gezückt und gezeigt, wo ich hinmöchte. Der Fahrer, der mir zugleich den Platz neben sich anbot, fand das alles ganz witzig, dass ich da einfach einsteige, keinen Plan habe und kein Spanisch spreche XD Ich fand das auch witzig, und ich glaube, er ist sogar einen ganz kleinen Umweg extra für mich gefahren. Und der Beifahrer ist sogar mit mir ausgestiegen und hat mich zur nächsten Touri-Info-Stelle gebracht. So lieb!!!

Mittlerweile sitze ich übrigens im „Parque Alfredo Salazar“ mit Blick auf’s Meer. Meine Blogbeiträge sind sozusagen Multilocational :D

Und hier noch einige Irrungen, Wirrungen und Feststellungen:

In Lima, bzw. wohl generell in Peru ist alles soooooo weitläufig. Ich bin immer gefühlt ewig unterwegs um von A nach B zu kommen. Außerdem haben es die Peruaner selten eilig. Da steht man schonmal 10 min. an der Kasse, auch wenn man nur zwei Kunden vor sich hat… Meiomei.

Und was auch immer wieder toll ist: Da möchte man nur seinen Einkauf zahlen. 29,47 Soles. Aber irgendwie ist so ein einfacher Tathergang selten ganz einfach möglich. Denn es kommen immer irgendwelche Rückfragen. 29,47 Soles. Ich gebe der Dame 30 Soles. Und sie babbelt irgendwas los. Ich versuche möglichst super eindeutig so zu gucken, dass ganz klar wird, das ich sie nicht verstehe und einfach nur zahlen möchte. Aber das geht nicht. Noch einmal eine Aneinanderreihung mir fremder Worte. Ich: „no español“, und nochmal ein paar Sätze. Hilfe XD Das ist mir mittlerweile in unterschiedlichen Situationen bereits häufiger passiert. Aber die Peruaner sind eben ein freundliches Volk :D

Morgen geht es zurück nach Frankfurt. Karoshi, karoshi.

Stefanie

Into the Jungle – Teil 2 + 3

Guten Morgen Lima! Zeitmangel und Müdigkeit ließen meinen Blog beinahe verhungern. Dabei gibt es soviel zu berichten.

Zum Beispiel gab es für mich am Donnerstagabend ein weiteres persönliches Highlight: Das erste mal seit 2008 wieder TukTuk fahren :-) :-) :-) Wobei die kleinen Fahrzeuge hier „Mototaxis“ heißen. Gabriella und ich wollten Satipo noch etwas kennenlernen und so ließen wir uns an all‘ den bunten Läden vorbei treiben, an den Lädchen für Handys, Süßigkeiten, Plastikkram, Schuhe, Obst, Lebensmitteln, Krankengeräten, Fotografierzubehör, Matratzen etc. Und zwischendrin all‘ die zerfledderten Hunde und Katzen. Peru lebt, wie gesagt ;)

Was ich ja wirklich vermissen werde sind die Jugos (pürierte Früchte, ein wenig Smoothie-mäßig), die es hier total günstig gibt. Die Auswahl an Früchten ist super vielfältig. Was ich bis Lima nicht kannte, ist z.B. die Lucuma. Eine Frucht, die vom Aussehen her etwas an Avocados erinnert. Wenn sie püriert wird, ist sie etwas sämig und hat einen wunderbar süßlichen Geschmack, könnte ein speziell zubereitetes Dessert sein, ist aber schlicht eine Frucht, die sehr sättigend ist. :-)

Und wie ist das bei euch?

Seit Donnerstag wurden wir von Yohei und Dante begleitet. Das Mini-Kamera-Team wird einen Image-Film zu Creciendo schneiden. Wir trafen uns mit den Beiden noch auf einen Jugo am zentralen Platz Satipos und tauschten uns über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Alltäglichkeiten aus.

Es ist z.B. total normal, dass junge Männer solange daheim wohnen, bis sie heiraten (sofern sie sich zu Ausbildungszwecken nicht geografisch weiter bewegen müssen). Ich finde das ja ziemlich unsexy, aber isch leb‘ ja nisch in Lima ;D

Wenn man studieren möchte, ist eine gute Schulausbildung sehr wichtig. Staatliche Schulen bieten diese Qualität nicht – anders als bei uns -, sodass der Besuch privater Schulen nötig ist, der natürlich entsprechend Geld kostet, wie auch der Besuch der Universität. Die Beiträge ähneln denen für private Ausbildungsinstitute in Deutschland.

Into the jungle – Teil 3

Am Freitag wurde es dann schon abenteuerlicher: Wir besuchten zwei weitere Schulen, die von Creciendo unterstützt werden. Die Fahrten dorthin sind ab Satipo relativ lang (ca. 1 – 2 Stunden). Wobei die tatsächliche Fahrtzeit davon abhängt, wie die Straßenverhältnisse sind. Die Regenzeit neigt sich jetzt zwar langsam dem Ende zu, dennoch gibt es ab und an eine warme Dusche. Für verschwitzte Gringos ist das natürlich eine angenehme Abkühlung. Doch schlammige Straßen werden da zu einer Rutschbahn, die auch den stärksten Allrad-Antriebs-Arbeitstieren alle Kräfte abjagt.

Wir, d.h. Gabriella, Yohai, Dante, eine Journalistin, mehrere Kartons Schulpakete, Kamera, Videoausrüstung und ich drängelten uns auf die Ladefläche des PickUps, genossen die warme Sonne solange, bis sie zu warm war und stellten uns dann mit Blick auf die Fahrbahn hin um uns im Fahrtwind abzukühlen. Top!!

Zu den besuchten Projekten von Creciendo schreibe ich hier mehr: patriziakinderhaus.wordpress.com

Freitagabend fielen wir dann nach unserer Rückkehr recht bald hundemüde ins Bett.

Viele Grüße,
Sig