Dieses wunderbare Leben…

Immer dann, wenn wir einem Menschen begegnen, begegnen wir einer Fülle an Momenten, die nur jedem selbst vorbehalten und ganz persönlich sind. Und wie so oft zerreißt es mich, wenn mir bewusst wird, dass es jeden dieser Augenblicke nur ein einziges Mal genauso geben wird. Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder unwiderruflich verloren und können nur nachgefühlt und erinnert werden. Menschen werden Teil des eigenen Lebens, können dort ganz nah, ganz intensiv sein und wieder gehen, wieder fremd werden. Wie soll man nur all‘ die eigenen Lebenssekunden komplett wahrnehmen und fühlen? So oft klagt man, das man älter wird. Doch mit jeder Sekunde gewinnt man. Man gewinnt ein in-die-Augen-sehen, ein Fingerspitzen-fühlen, einen Blumenstrauß Atmosphäre, Klänge, Lichter, Gänsehaut, Gedanken und Worte, man atmet gemeinsam ein und aus. Und immer wieder muss man loslassen. Und immer wieder darf man sich freuen. Und immer wieder fühlt man Sehnsucht nach verlorenen oder zukünftigen Momenten. Wie gerne würde ich mich einzig von dem Gefühl tragen lassen, dass diese wertvollen Momente in mir drin bewahrt bleiben. Egal wie weh es tut, dass es sie nur ein einziges Mal gibt.

Allein mein Jahr 2014 ist schon jetzt grandios. Ich durfte soviel auf mich einwirken lassen, habe soviele Flecken dieser Welt erleben dürfen, so viele Menschen kennenlernen dürfen. Und am Ende bleibt für alles, ob angenehm mild oder schmerzhaft rau für mich nur eine Alternative: Glücklich sein. Und das ist wie tanzen. Jeden Tag. Ich bin dankbar, für mein wunderbares Leben.

Zurück in Deutschland

Es kommt mir vor, als wäre ich einige Wochen weg gewesen, soviel habe ich erlebt. Und so ganz spurlos sind meine Wege durch einige Townships Südafrikas nicht an mir vorbei gegangen. Ich wurde wieder in meinem Wunsch bestärkt, dass jeder, nicht nur Menschen wie Tim Walker in Südafrika, tiefsten Respekt und Hochachtung verdient hat, der über den eigenen Tellerrand schaut und seine Insel zumindest ab und an verlässt – aus Überzeugung, nicht aus gesellschaftlichem Zwang heraus. Niemand muss seine Zelte abbrechen und ganz darin aufgehen, anderen zu helfen. Doch fast jeder hat die Möglichkeit bewusster zu leben, mit Blick auf seine Mitmenschen, auf die Umwelt sowie auf sich selbst und die eigenen Einstellungen und Meinungen.

Love & Regards,

sign_Stefanie

Einige Impressionen der neu errichteten BauwerkeHaus

Fotos: Kristina Egbers

Juchu, das neue KinderHaus ist fertig. Der Kleine führt mich einmal herum.

Ivan zeigt uns das neue KinderHaus

Bilder aus dem Township „Iraq“ Township

Der Running Pie und seine Folgen

Mein Tag heute ist etwas ungünstig gestartet. Memo an mich*:

  1. Sämtliche Telefonnummern von wichtigen Kontaktpersonen notieren**
  2. Nicht davon ausgehen, dass es überall auf der Welt möglich ist, ein Taxi zu ordern
  3. Klare Kommunikation***
  4. Im Zweifelsfall: Ein Auto leihen, wenn man mobil sein muss – auch in Südafrika 8-)

Wie dem auch sei: Tim und Victoria hatten glücklicherweise die Idee, mich im Hotel in Elgin abzuholen, und nicht darauf zu warten, dass ich irgendwann komme :-) Danke. Wir machten uns also heute Morgen gegen 9:30 Uhr auf den Weg zur Kinderkrippe, die wir am Freitag besucht hatten. Ich bin sehr sehr froh, dass die Mitarbeiter der PATRIZIA vergangenen Montag so fleißig Geld für die Kinder in Südafrika gespendet haben. So war es uns möglich, für diese Kinderkrippe eine große Decke für die Babys, einen kleinen Tisch und acht Stühle für die Kleinen, einige Babyfläschchen, vier große Packungen Trockenmilch zum Anrühren (mit allen wichtigen Vitaminen …), zwei Töpfchen und eine Art Wippe für diese Krippe zu kaufen. Diese Sachen haben wir zur Tagesmutter in die Krippe gebracht. Nun haben die Kids die Möglichkeit auch mal draußen zu sitzen. Und ich glaube, es hat ihnen gefallen.

Kinder im Township "Iraq"

Ehrlich gesagt war es gar nicht so einfach, etwas Sinnvolles zu finden. Die Kinder im neuen KinderHaus sind alle 2 – 5 Jahre alt, und gehen noch nicht zur Schule. Sie werden durch Thembalitsha außerdem prima versorgt (wäre es anders, wäre irgendwas verkehrt). Wir wollten dann einen großen Esstisch mit Stühlen für das neue Haus besorgen, jedoch sind die Lebenshaltungskosten und die Kosten für Möbel hier in etwa genauso hoch wie in Deutschland (was die Situation der Menschen, die teilweise nur 8€ am Tag verdienen natürlich immens verschärft!) und weit und breit gibt es kein schwedisches Möbelhaus. Dieses Vorhaben ließen wir also nach dem Besuch dreier Möbelhäuser fallen. Der wichtigste Punkt ist jedoch der: Wie fühlt sich jemand, der in einer Wellblechhütte wohnt und sein Leben trotz dieser widrigen Umstände gut managed, wenn dann einer dieser rich white people mit seinem Geld ankommt? Es ist als würde man sich zu jemanden hinab beugen. Das wollte ich nicht. Ich habe großen Respekt vor all‘ diesen Überlebenskünstlern und sie sollten mich nicht als reiche weiße Frau wahrnehmen, die sich toll fühlt, wenn sie mit etwas Geld im Township um sich wirft.

Dennoch denke ich, dass wir einen guten Weg gefunden haben. Die Bilder sprechen für sich. Der Rest des Running Pie-Geldes wird dann genutzt, wenn die Kinderzimmer im neuen Haus alle hergerichtet werden und alle Kinder einziehen können. Ich werde berichten, sobald Tim mir Fotos sendet.

Krippe im Township "Iraq"

Hier ist es seit Tagen sehr sehr windig, was die Internetverbindung nicht gerade verbessert. Spätestens, wenn ich zurück in Deutschland bin, und alle Fotos sortiert habe, wird es viel mehr Eindrücke von vor Ort geben.

Kind regards,

sign_Stefanie

* Manchmal weiß ich auch nicht, wo ich meinen Kopf habe.

** D.h. nicht darauf verlassen, dass man die eMails abrufen kann, in denen die Nummern notiert sind.

*** Vor allem, wenn jeder weiß, dass man Kommunikationspsychologie studiert hat.

And we flow

Hier ist einiges im Fluss, nicht nur die Menschenmengen, die vor allem Samstags die Straßen des Townships bunt bevölkern. Gestern liefen noch einmal alle Bohrmaschinen heiß und alle Studenten hier vor Ort packten ihre letzten Energiereserven aus, um das Projekt „Ukuqala 3“ und die Sanitärpavillions bei „Ukuqala 2“ fertigzustellen. Dort wo morgens die Eröffnung noch schier unmöglich erschien, hingen Nachmittags bereits Bilder an der Wand. Überall wuselte es, hier und da Freude, hier und da Erschöpfung und dann waren da auch noch die rosafarbenen Lampen zu bändigen – es machte einfach nicht „Klick“.

Doch gegen Abend machte es an ziemlich vielen Stellen „Klick“ und es war geschafft. Alle trafen sich im neuen Haus um auf diese tolle Leistung anzustoßen. Und dem, dem Reden mit vielen „Dankeschöns“ zu langweilig sind, empfehle ich, nach Afrika zu kommen. Nach jedem Dankeschön folgt hier ein tobender Applaus, ausgelassener Freude folgt Rührung. Und auch mir standen mehrmals die Tränen in den Augen. Es war eine ergreifende Eröffnungsfeier, mittendrin die super gut gelaunten Workers aus Grabouw, die einen ziemlich überraschen können. Wer rechnet schon damit, das ein recht kleiner 17 Jahre alter Junge sich die Gitarre schnappt und ein Lied zum Besten gibt? Oder das sie in Tränen ausbrechen, weil sie sich von den Studenten verabschieden müssen? Gestandene junge Männer aus Grabouw. Amazing!

Und: Wer Gospel mag, wird die Housemoms hier im Village lieben. Schon tagsüber schallte ihr Gesang durch die Räume und rundete Abends schließlich alle Worte und alle Umarmungen ab. Prosit!

Die Kids hatten sich schon längst ihre Zimmer ausgesucht und freuen sich darauf, endlich einziehen zu können. Gestern Nacht jedoch weihten erst einmal die Studenten die Räume ein – vielen vielen Dank für eure tolle Arbeit und für dieses tolle KinderHaus!

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Nun erst einmal Licht aus.

Kind regards,

sign_Stefanie