Und heute im Gepäck…

… Der erste kulinarische Hochgenuss unseres Urlaubs: Ein wirklich guter Kaffee und ein Apfelkuchen (!!), ästhetisch serviert in einem Café am Flughafen MBI/HTGW (dazu unten mehr……..), das zudem so eingerichtet ist, wie man sich Afrika vorstellt. Und gepflegt ist es hier auch.

Panik in Mbeya

Wer es verfolgt hat… Air Tanzania hat uns, gemeinsam mit dem Flughafen Songea, das Leben schwer gemacht. Letzterer ist seit letzter Woche Baustelle, weshalb keine Flüge starten, erstere teilte uns nicht mit, dass damit unser bestätigter Rückflug nach Dar Es Salaam ersatzlos entfällt. Und erreicht hat man niemanden so recht, bis heute nicht. Zum Glück gibt es in Songea ein Air Tanzania-Büro, wo wir das Ticket umbuchen konnten, sodass es eben heute um 14.30 Uhr zurück geht, aber halt nicht ab Songea, sondern ab Mbeya. Dahin reisten wir gestern in 9 Fahrtstunden (und cancelten wegen der verlängerten Reisezeit letzte Woche unseren Plan, noch Sansibar zu besuchen).

Soweit, so gut.

Um sicher zu gehen, wollten wir heute morgen direkt einmal beim Flughafen vorbei schauen, ob unser Flug auch wirklich startet. Wir sprangen also in ein TukTuk und hofften, dass der Fahrer unsere “Airport!”-Anweisung auch wirklich verstanden hatte.

… … Er fuhr weiträumig an einem Gebäude vorbei, an dem “Mbeya Airport” geschrieben stand. … … Wir fragten uns, was das Problem sei. Philip packte Google Maps aus und zeigte dem Fahrer das Ziel. Wir dachten, nun hätte er es verstanden. Doch sein Fahrtrichtungswechsel erschien uns ebenso nicht passend. Wir stiegen aus und wunderten uns, warum “Airport” kein bekannter Zielpunkt ist? Als nächstes wandten wir uns an ein paar Pikipiki-Fahrer. Nach großer Verwirrung und Diskussion schien es, als hätten sie verstanden, wo wir hin wollten. Sie fuhren jedoch ebenso in Gegenrichtung zum erwähnten Gebäude über ein Feld, was laut Google Maps eigentlich die Flugbahn sein müsste. Während Philip langsam zweifelte, dass es überhaupt einen Flughafen gibt, kam mir der Gedanke, dass es wohl woanders einen neuen gibt?!

Wir fuhren zurück zur Basis – in unser Hostel – und orderten unser Flughafenshuttle für sofort. Um es kurz zu machen: Flughafen Mbeya (MBI, so wie es auf unserem Ticket steht) und Flughafen Songwe (HTGW, ca. 12km von Mbeya entfernt) sind das Gleiche 👀 . Diese Info hatten wir nicht, kam auch im Reiseführer nicht klar rüber. Kein Wunder also, dass alle von uns befragten Personen sich wunderten, warum diese Muzungus eigentlich so aufgeregt sind. Ist doch alles Hakuna matata. 🤷🏻‍♀️

Update: Nun erfahren wir gerade, dass unser Flug 3 Stunden Verspätung hat. Nachdem dieser nur bei Tageslicht startet, welches hier ab 18.30 Uhr zur Neige geht (jetzt ist es 14.45 Uhr, Ortszeit), bibbern wir nun doch um unseren Rückflug nach Deutschland, der um 23.15 Uhr in Dar startet. TIA – This is Africa….

Update 2 (4 Stunden später): Wir warten immer noch. Noch 50 mögliche Abflugminuten…

Weit über dem Basisprogramm

Gestern hab ich nachgedacht und beinahe die moralische Steinschleuder ausgepackt. Die Munition: Wir in Deutschland haben Luxusprobleme…. wir denken über maximale Ergonomie bei Matratzen nach, während man hier froh ist, eine zu haben… Wir klagen über lange Wartezeiten beim Doc, hier müssen die Leute überhaupt erstmal stundenlang anreisen und können den staatlichen Leistungen nicht vertrauen… Wir meckern über Politiker, hier wird ein Mehrparteiensystem erst aufgebaut… Wir räkeln uns in Beziehungsproblemen, hier fehlt jede Romantik und auch wenn man weiß, dass es schlimmer geht, setzt man noch einen drauf. Gibt Geld für Tattoos aus oder spielt PlayStation…

“Stop!” dachte ich mir dann. Das ist ja alles auch so. Das ändert aber nichts daran, dass wir dennoch unsere Verpflichtungen, Sorgen und Nöte haben, trotzdem täglich arbeiten gehen, uns versorgen müssen, für vieles verantwortlich sind.

“Naja…”, dachte ich als nächstes. Ein bisschen Kuschelkurs ist es dennoch. Immerhin ist bei uns das Basisprogramm relativ sicher: Hygienisches Wasser aus dem Hahn, Fachärzte, die unsere Krankenversicherer zahlen (egal, wie gut oder schlecht), Wohnungen mit wenig Viehzeug, sichere Lebensmittel (ja! Trotz alle Skandale), Kinderbetreuung (wenn auch vielleicht nicht für jeden gleichermaßen leicht verfügbar) und so weiter. Und diese Grundausstattung bringt uns vermutlich dazu, immer mehr zu wollen und herum zu optimieren, obwohl wir den Zenit längst überschritten haben, uns schon vor Jahrhunderten auf Kosten anderer voran bewegten.

“Trotzdem!”, grübelte ich weiter. Wir sind ja trotzdem Menschen, die sich über etwas ärgern, Trost brauchen, sich über etwas freuen, etwas erreichen, sich belohnen oder beruhigen wollen. Und zwar alles erstmal unabhängig davon, ob jemand anderes durch uns Schaden nahm. Dürfen wir nicht alle diese Emotionen ertragen, indem wir mit Freunden um die Häuser ziehen, uns Tattoos stechen lassen oder Videospiele spielen?

“Schön,” denke ich, “wäre es doch, wenn jeder so optimiert, dass am Ende niemand oder nichts mehr Schaden nimmt und bis dahin in allem Komfort schwimmend sich zumindest dessen bewusst ist, was man hat und sich daran jeden Tag dankbar erfreuen kann.”

Faktenwerferei

Wer mit Sr. Elisabeth unterwegs ist, bekommt Fakten im Minutentakt. Ein paar habe ich erinnert, ein paar nachgeschlagen und einige zusammen getragen. Gut, dass ich schon öfter hier war, dann ist es, als würde man einen Film mehrmals sehen oder ein Buch mehrmals lesen… jedes Mal entdeckt man ein weiteres Detail oder kann Bekanntes im Gesamtkontext besser zuordnen und verstehen :) Natürlich sind alle Angaben ohne Gewähr.

… 150 Schülerinnen und Schüler lernen an der Krankenpflegeschule am Peramiho-Hospital. Dabei ist eine gute bis sehr gute Note in naturwissenschaftlichen Schulfächern Zugangsvoraussetzung. Neuerdings werden auch Männer als „Hebamme” qualifiziert und von den gebärenden Frauen bisher wohl gut angenommen.

… Das Team im Peramiho Hospital zählt 453 Fachkräfte und versorgte 2016 insgesamt 153.031 Patienten. Davon sind 11,8% “von außerhalb” und extra angereist. Denn die staatlichen Krankenhäuser versagen täglich.

… Circa 50 Cent kostet die Grunduntersuchung bei Beschwerden im Peramiho Hospital. Weitere Kosten fallen für stationären Aufenthalt und Medikamente an.

… Eines der größten Probleme im Hospital-Alltag ist die Beschaffung von Medikamenten. Infusionslösungen werden selbst hergestellt und in wiederverwendbaren Glasflaschen vorbereitet.

… Bereits seit mehr als 40 Jahren hat Peramiho eine Kläranlage für die angeschlossenen Abwässer.

… Peramiho gehört zur Region Ruvuma. Rundum wird Steinkohle abgebaut und in LKWs nach Dar Es Salaam gefahren, wo sie oft direkt weiter nach China verkauft und verschifft wird.

… Seit 2 oder 3 Jahren ist die Straße zur Küste komplett geteert. Es besteht größtenteils eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50km/h. Zwischen Ndanda und Peramiho weisen 70 Schilder darauf hin. Es gibt da eine kölsche Nonne, die das auf einer Besorgungsfahrt mal per Strichliste gezählt hat.

… Die Mädchenschule in Peramiho ist die Beste im Süden Tansanias und landesweit auf Platz 38 (y)

Schüttelfrostpanik

Ja, ich muss es zugeben. Google lief gestern etwas heiß, als ich vom unechten Frost geschüttelt, unterm Moskitonetz im Bett liegend gefühlt zu ersticken drohte, nachdem ich Vormittags bereits der Ohnmacht entronnen war, da mein Blutdruck in den Keller sackte. Mein Soundtrack dazu: Die drei Fragezeichen – Angriff der Computerviren.

TansianischeGastfreundschaft

Doch ein Virus war es nicht ;-) Ausnahmsweise machte die Googleei mich nicht panischer, sondern bestätigte, was ich wusste: Malaria kann es nicht sein, bricht frühestens 7 Tage nach Infektion aus und am niedrigen Blutdruck war wohl einfach die schwüle Luft schuld. Immerhin ist Regenzeit. Hinzu kommt die Sonderbelastung durch einheimisches Essen, denn am Sonntag waren wir bei Marks (über ihn schrieb ich bereits hier: http://kurz-vor-der-sonne.de/songea/ und hier: http://kurz-vor-der-sonne.de/die-welt-aus-den-augen-eines-lebenshelden-teil-2/) Pateneltern zum Essen eingeladen und erfuhren persönlich, was tansianische Gastfreundschaft bedeutet. Nämlich eine herzensfreudige Begrüßung und eine reich gefüllte Tafel. Da geht Freundlichkeit und Wertschätzung nun mal vor und wir aßen von allem etwas, ganz entgegen der Empfehlung “peel it, boil it, cook it or forget it”.

Statt Sansibar etwas viel wertvolleres

Wir nutzten den gestrigen “off day” für die weitere Reiseplanung. Nachdem uns nun vier Tage Sansibar 2 1/2 Tage Anreisezeit kosten würden (wegen Flugplanänderung, siehe Beitrag unten), warfen wir diese Trip über Board und nutzten die gewonnene Zeit heute für einen weiteren Peramiho-Rundgang mit Sr. Elisabeth. Dazu morgen mehr!

Nachmittags fuhren wir zum Wasserturm, kletterten hinauf und hatten einen tollen Blick über Peramiho.

Fotos klappen hier gerade nicht :( Dafür auf Instagram

PS: Ich wurde bei meiner gesundheitlichen Panne hervorragend von den Benediktinerschwestern aufgenommen und first class gepflegt. Gewissenhafter als in Deutschland!

Apropos „Hakuna matata“…

Wenn der bestätigte Rückflug nach Dar Es Salaam plötzlich ersatzlos ausfällt, da an der Landebahn gebaut wird (was man zudem nur durch Glück erfahren hat), kann man panisch werden oder möglichst optimistisch und entspannt über Alternativen nachdenken. Eben ganz Hakuna matata.

So taten wir es, suchten mit einigen Leuten nach Lösungen und konnten den Flug gestern so umbuchen, dass wir am Mittwoch ab Mbeya fliegen. Problem 1 von 2 war damit gelöst. Danach mussten wir einen Fahrer und ein Auto für die 8 Fahrstunden zu diesem nächst gelegenen Flughafen finden. Ich wusste, dass man in Tansania eher ein Auto mit Fahrer bucht, statt alleine zu fahren. Hier, fernab des Tourismus ist das jedoch nicht einfach. Der Fahrer muss verlässlich, das Auto gut in Schuss sein… Sr. Elisabeth sei dank, haben wir nun einen Fahrer, der uns im Ordensauto fährt. Insgesamt kostet uns diese ganze Planänderung fast zwei Tage, da wir eine Nacht in Mbeya bleiben müssen. Und so zeigt sich, dass zwei Wochen Afrika eigentlich nur eine Woche sind. Aufgrund ungeahnter Komplikationen bleibt viel Zeit auf der Strecke – im wahrsten Sinne des Wortes. Damit muss man kalkulieren.

Den feierlichen Ostersonntag begannen wir dennoch entspannt und mit einer wunderschönen Ostermesse in der Kapelle der Benediktinerinnen. Hier weiß man, wie man feiert :-)

Wir wünschen allen frohe Ostern!

Zu guter letzt noch ein paar Eindrücke vom gestrigen, etwas vollgepackten Tag.

Nach einem – wie immer – interessanten und berührenden Rundgang mit Sr. Elisabeth durchs Peramiho-Hospital fuhren wir mit dem „Dalla dalla“ (Bus) nach Songea. Für die Strecke braucht man normalerweise 30 – 40min. und es ist ratsam, in einen Bus zu steigen, der schon gut gefüllt ist, denn die Fahrer peilen das eigentliche Fahrtziel erst dann an, wenn alle Plätze besetzt sind (auch wenn die Fahrgastanwerber, die stets mitfahren, 30min lang brauchen, um Leute einzusammeln…). Leider haben wir den falschen Bus gewählt, denn er fuhr erst die kurze Strecke ins Peramiho-Dorf, wo der Großteil der Fahrgäste ausstieg und wartete dann 40min., ehe er tatsächlich nach Songea startete. Auf dem Weg dorthin kamen noch Probleme mit dem Getriebe hinzu. Der Motor ging oft aus und der Fahrer musste das Tempo sehr drosseln. Nach fast 1 1/2 Stunden erreichten wir erst den Ortseingang von Songea. Da hatten wir dann genug, stiegen aus und fuhren den Rest des Weges mit dem Pikipiki (Motorradtaxi):

Abends fuhren wir mit Mark zurück.

Mark zeigte uns dann später übrigens noch, wie man als Local ausgeht. So kam es, dass wir gegen 21 Uhr in einer „Disko“ saßen. Dort war die Musik ohrenbetäubend und ungesund laut. Das hielten wir nicht lange aus und gingen bald Heim. ;-)