Hallo Muzungu!

Ich hatte heute einen super Vormittag mit den Kids im KinderHaus, hier dazu mehr: patriziakinderhaus.wordpress.com

Nachmittags hat es meinen Kreislauf dann leider recht plötzlich ziemlich umgehauen und ich lag und liege faul auf meinem Bett… Naja, das staubige Klima hier schlaucht schon etwas… Wir sollten alle sehr dankbar sein für die frische Luft in Deutschland – selbst für die in Berlin ^^

Grüße,

Stefanie Maria Ssanyo 

Stefanie Maria Ssanyu Nante

Heute war ich mit Pfarrer Charles 6 Stunden in den abgelegensten Orten rund um Buyamba unterwegs. Es ist Sonntag, und als Teil der Pfarrers-„Familie“ war ich eben bei drei Messen dabei… Die dauern hier bis zu zwei Stunden. Bei der dritten aber bin ich zwischendurch hinaus und habe die Kiddies fotografiert. Hauptgrund meiner Flucht war aber, dass ich mein Portemonaie im Zimmer vergessen hatte. Das war natürlich superblöd bei der Kollekte… :-( Superblöd!!! 

Zudem hat mich der Father in meiner Funktion als Stiftungsvertreterin, aber auch persönlich (vor allem als frisch Getaufte) immer ziemlich ausgiebig vorgestellt und ich wurde dann auch immer nach vorne gebeten und musste spontan etwas sagen. Ich habe mich, so lassen es die freudigen Reaktionen erahnen, wohl ganz gut geschlagen und sogar ein Gastgeschenk bekommen: Eine Flasche Wasser. Es fiel mir schwer, so etwas von Menschen anzunehmen, die keinen Strom haben. Gastfreundschaft können wir uns hier abschauen, aber das sagte ich ja schon einmal. 

Mein Clan: Kühe!

Seit heute Morgen bin ich um zwei Namen reicher und werde mich künftig am Telefon so melden:

Stefanie – der Name, den mir meine Eltern gaben

Maria – der Name, den ich zur Taufe erhielt

Ssanyu – der Name, den mir die Natur gibt, „dein Lachen ist es, welches Dich für den Namen Ssanyu, das bedeutet Freude (happyness), qualifiziert“, sagte „the young old man“ (ein Don Bosco Bruder, der einige Tage hier zu Besuch war)

Nante – der Name meines Clans ;-) „Du isst kein Fleisch, und hier ist Fleisch hauptsächlich von Kühen. Du respektierst das Leben der Kühe, deshalb sind Kühe dein Clan!“ (nante = Kühe) 

Ich finds gut :-) 

Übrigens: In den Gottesdiensten hier wird gefeiert! Da wird geklatscht, sich gefreut, getanzt… Schön!
 

Stadtbild

   

Buyamba

 

Eine Art Selfie

  

Volle kleine Lehm-Kirche

 

Viele Grüße,

Stefanie Maria Ssanyu Nante 

800 Afrikaner, 4 Priester und ich

Es ist Wochenende und ich habe heute gelernt, dass es hier üblich ist, Samstags immer irgendwo etwas zu feiern: Verlobungen, Hochzeiten, Geburtstage, sonstiges. Ich war heute auf einer Verlobung – die ich jedoch die ganze Zeit für eine Hochzeit hielt – und danach habe ich das erste Mal in meinem Leben einer kirchlichen Trauung beigewohnt (und gemerkt, dass das davor etwas anderes war ;-) ) Dieser Fakt des „ersten Mals“ hat die gastfreundlichen Menschen hier natürlich sehr begeistert.

Die Trauung war ein Spektakel und ein Schauspiel. Ein Spektakel, weil Afrikaner Freude ja viel schöner zeigen: Freudenschreie, winken, singen, klatschen, trommeln, tanzen. Ein Schauspiel, weil es Romantik vermutlich nur bei uns gibt. Hier werden die Ehepartner von den Eltern zusammengestellt und es gibt eine Mitgift, die bei Wasser und Kaffeebohnen ausgezahlt wird. Hinzu kommt natürlich, dass hier ja alles sehr prüde zugeht. Das höchste der Gefühle (vielleicht gar ganz wörtlich…) bei dem Punkt „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“ ist ein Wange-an-Wange-links-Wange-an-Wange-rechts. Das halbe Busserl des Bräutigams auf die Wange der Braut hatte die Mädels in meiner Bank schon in Aufruhr versetzt. 

Und so kam es, dass ich heute – natürlich vollkommen underdressed – plötzlich zu Gast in zwei fremden Leben war. 

Bis eben dann war ich noch auf der Hochzeitsfeier… 

Geheiratet hatten übrigens etwas besser verdienende und die Feier fand in einer großen Halle statt. 800 Ugander aus Buyamba, Kyotera, Kampala und sonst wo her, 4 Priester und ich tranken in dem kitschig pink-gelb geschmückten Saal Wasser, Bier und Limo. Wobei es nicht für alle Gäste Freigetränke gab – irgendwie muss man die Kosten für die Sause ja wieder reinbekommen. 

Die Geschenke für das Brautpaar werden übrigens tanzend ausgehändigt. Wenn man den Saal betritt, reiht man sich ein, tanzt sich nach vorne, Jubel, und tanzt weg. Ich habe kurz vor knapp die Biege aus der Tanzreihe gemacht. Ich war nicht nur underdressed, ich hatte auch kein Geschenk… 

Danach wollte ich mich an Wasser halten, doch Father Charles wollte unbedingt, dass ich das Bier aus Uganda probiere… Ich bin keine Biertrinkerin… Augen zu und durch. 

Wir sind früh gegangen und ich falle jetzt müde ins Bett.

Good night.

Stefanie

Eine kleine Krise weiter…

Leider musste ich diesen Blog hier in den letzten Tagen etwas vernachlässigen. Das lag hauptsächlich an zwei Dingen: Kein Strom und soviel erlebt, dass es jeden Blog sprengen würde und am Ende dann gar nichts geschrieben, bzw. für die Stiftung auf’s kürzeste berichtet: patriziakinderhaus.wordpress.com 

Überspitzt im Schnelldurchlauf

Hier nun alles auf einen Blick, überspitzt formuliert, um der Gewalt der Eindrücke gerecht zu werden (sorry Mom, da musst Du jetzt durch):

In der letzten Woche stand ich am Tor eines Gefängnisses in Muhanga, während Häftlinge, darunter Genozidäre, an mir vorbei liefen, bewacht von einem Wachmann mit Maschinengewehr. Ich bin wild Pikipiki-Taxi von A nach B gefahren und einmal war es nur ein kleines Stück, ehe uns jemand gerammt hätte, und ich hatte trotzdem nie Angst. Ich hatte zwischenzeitlich einen kleinen Ausschlag, den ich beobachtet und parallel nochmal den Film „Hotel Ruanda“ angeschaut habe, während ich in einem Hotel in Kigali war. Pusteln gingen wieder zurück, dafür kamen Halsschmerzen, gegen die ich aus einer Pharmazie in Muhanga Lutschpastillen besorgt habe, die dann auch noch halfen. Dafür kam Schnupfen.

Ich habe politischen Diskussionen in der besten Gegend Kigalis beigewohnt und Papaya gegessen. Ich habe Menschenknochen, Kleidung und Rosenkränze der Genozid-Opfer in der Gedenkstätte Ntarama gesehen und erlebt. Ich habe jede Menge Fotos geschossen und zugleich auch Kinder erlebt, die vor mir wegen meiner Kamera wegliefen. Ich bin nach Entebbe, Uganda geflogen.

Bananenbrei in Uganda

Ich war zwei Tage komplett pleite, weil ich mein letztes Bargeld für das $100-Visum bei der Einreise nach Uganda verprassen musste, da meine VISA-Card an den ATMs am Flughafen nicht funktionierte. Ich habe tonnenweise roten Staub in Uganda eingeatmet und gedacht, die Fahrt – auf deren Länge von am Ende 6 Stunden ich nicht vorbereitet war – würde niemals enden. Sie begann witzig mit Fahrer John, der mir Blumen und Bananen schenkte und dem etwas hyperaktiven und unglaublich gastfreundlichen Father Charles. Sie endete ängstlich, da mich der Fahrstil des Pfarrers am Ende zum Zittern brachte.

In Buyamba bin ich irgendwo im Nirgendwo, hatte die ersten zwei Tage kaum Akku und keinen Strom und kein Geld und war einen Moment lang verzweifelt. Heute nun fehlt es mir lediglich an Taschentüchern. 

Und die Menschen hier essen Morgens, Mittags, Abends „Mutake“ – Bananenbrei. Aber dazu gibt es natürlich Beilagen. Die schmecken auch, nur mein Magen…na lassen wir das.

Und heute nun geht es mir – bis auf die Erkältung – soweit gut, ich bin lediglich „voll“.

Gute Nacht aus Buyamba,

Stefanie