Dieser Tag reicht für zwei

21.20 Uhr Ortszeit, ich sitze gerade im Pariwana in Cusco und führe mich selbst an meine Grenzen. Doch dazu nachher mehr, falls ich es bis dahin schaffe… Ich bin nämlich absolut k.o. . Mehr k.o. geht nicht. Wobei mich jeder fragt, ob ich gerade den Inka Rail hinter mir habe, weil ich so fertig bin. Wenn ich das verneine, fühle ich mich wie ein Weichei XD Aber mal von Anfang an…

Guten Morgen Ollantaytambo

Ich habe mehr oder weniger gut geschlafen. Das lag wohl daran, das ein frischer Wind durchs undichte Fenster zog, es Nachts anfing zu regnen, und die Luke im Flur nicht ganz dicht war (wer ist das schon?). Dennoch… Um 5 Uhr sprang ich putzmunter und gut gelaunt aus dem hohen Bett. Ich lobte mich selbst dafür, auch heute Morgen beim Zähneputzen daran gedacht zu haben, die Blendamed-Paste mit Wasser aus der Flasche und nicht aus dem Hahn zu spülen. Daran gedacht habe ich, weil ich mich an den Mann erinnerte, der in das kleine Bächlein pinkelte, aus dem sich ein paar Meter weiter jemand wusch. Wo das Wasser aus der Leitung hier herkam, wusste ich ja nicht…

Auf dem Küchentisch stand ein Lunchpack für mich bereit – wie bei Mama <3 Tür zu und hinein in die altertümlichen Gassen, die in der Morgendämmerung und bei leichtem Regnen noch romantischer wirkten, als eh schon... Ot05

Mit dem Zug nach Macchu Pichu

Schon bald erreichte ich den kleinen Bahnhof, kramte Passport und Ticket hervor, trank den wohl besten Kaffee Americano und beobachtete, wie die Züge mit Kaffeekannen beladen und so kleine Treppchen als Einstiegshilfen bereit gestellt wurden (Stufen zum Ausfahren gibt es am Zug nicht). Auch die Chinesen waren wieder da ;-)

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Der Zug selbst war aber überraschend gut ausgestattet, die Fahrt eine ziemlich schunklige Angelegenheit und zum Service gehörte immerhin ein Freigetränk :-)

Um kurz vor 8 Uhr erreichten wir die Endstation. Die Ortschaft war noch nicht ganz wach und auch Stefanie irrte erst einmal durch die Gegend, während die Verlaufsstände langsam öffneten und der Regen sich verzog.

Kleiner „Tourist in Peru“- Guide, Teil 1:

– den Handcraft Market durchqueren (irgendwo gibt es wirklich einen Ausgang!) und die offiziell anmutende Einrichtung suchen, in der Tickets für Macchu Pichu erworben werden können

– nach den Bussen suchen, die den Berg zur Inka-Stätte hochfahren, Busticket kaufen

– mit dem Bus ist man dann in 20min. auf dem Berg

– sich von einem Tourist-Guide anheuern lassen (Kleingruppe: 30 Soles, Solo-Tour 130 Soles), wobei man nur hoffen kann, dass eine Kleingruppe zusammen kommt…das dauerte in meine Fall etwas…

Macchu Pichu

Unser Guide, 3 New Yorker und ich betraten die Inka-Stätte… Wuuuuuuuuhhhhh. Ich bekam Gänsehaut!!!! Was für ein Wahnsinnsort… Und auch die Geschichten rund um diese Stätte. Einfach toll! Ich muss das aber alles noch ein wenig nachrecherchieren, ehe ich die Erzählungen unseres Guides hier falsch wiedergebe….

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Treppen rauf, Treppen runter, und ein „Wow“ nach dem Anderen.

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Nach ganz vielen Stunden unterwegs (inkl. Sonnenbrand im Gesicht… Mir wurde ein Schal mitgegeben, weil es kalt sei… Es waren aber gute 30 Grad, und ich habe das etwas unterschätzt ;) ), ließ ich mich in den Bus fallen und freute mich auf etwas Entspannung. Ich bin übrigens sehr überrascht, das mein Kreislauf trotz der Höhe total symptomfrei ist… Wenn es darauf ankommt, bin ich eben unverwüstlich, haha 8)

Grenzerfahrung 6-Bett-Zimmer im Hostel

Hilfe, Hilfe, Hilfe!!!!! Morgen checke ich aus, die zweite Nacht möchte ich woanders hin, biiiiitttttteeeeeeeee. Ich befinde mich im Pariwana-Hostel. Da es im Zimmer kein WiFi gibt (ich meine, es anders gelesen zu haben) und überdies alle meine Akkus alle sind, sitze ich gerade tippend und schier verzweifelt in der Bar des Hostels, in dem gerade lauthals brasilianischer Karneval gefeiert wird. D.h., jetzt habe ich ins Internet-Café gewechselt… Lade alle Akkus auf und tippe vor mich hin…

Ok, ok, die Fakten: Stolz wie Bolle bin ich für nur 10 Soles im Gruppen-Taxi von Ollantaytambo zurück nach Cusco gefahren (der aufmerksame Leser erinnert sich, wieviel Soles es auf der Hintour waren…). Das Taxi hielt an einem Platz, wo es gerade viel Krawall gab (irgendeine Demo, oder ein Fest? Feuerwerk?), ich musste erst einmal einen Geldautomaten und dann besagtes Hostel finden… Wäre ich rechts abgebogen, ich hätte das in 10 min. erledigt… Links herum dauerte es eben eine Stunde. Nirgendwo war ein Stadtplan zu finden. Und bei den Taxis muss man wählerisch sein, da der Großteil nicht offiziell gemeldet ist. Aber die, wo nicht „Taxi“ dran steht, und die rote und weiße Reflektoren an den Türen haben, sind legal unterwegs… Da diese in der Minderzahl sind, war das eben nicht einfach. Als ich langsam anfing zu lahmen, fand ich einen Automaten und ein Taxi und das Hostel. Yeah.

Gebucht habe ich ein Zimmer in einem „6-Bed-Dorm with Bathroom“ für 38 Soles pro Nacht. Mein Bett ist das obere eines Doppelstock-Betts. Das Bad ist mini und… naja… Auch hier schlägt mein Hygiene-Barometer aus… Oder besser: Es schlägt wild um sich… Aber gut… Ich habe dieses Abenteuer ja gewollt. Menschen kennenlernen, günstig reisen, ein bisschen Spaß muss sein.

Vielleicht zuviel Spaß? Ich ging in die Bar und wollte nur eines: Schreiben und einen Gin-Tonic. Ich ging an die Bar…………… bestellte meinen Gin-Tonic und da stand er. Der Lockenkopf, und er redete drauf los. Er hörte gar nicht mehr auf. Er hielt mir eine Liste unter die Nase, wo man seinen Namen eintragen sollte. Folgende Stichworte erfasste ich: „Brazilian-Party-Drink, it will revital you, you will live, 12 Soles, tab or cash, great Possibility“. Ich: „Ich äh wollte eigentlich nur einen Gin-Tonic“. Blankes Entsetzen, Unverständnis und wieder ein Wortschwall. Ich, in der festen Annahme, jetzt einfach nur supergünstig einen Cocktail zu bekommen: „Ok, was muss ich tun?“… Name eintragen, zahlen. Ich spare den Rest der ganzen Verwirrung jetzt mal ein. Alles endete damit, dass der Lockenkopf meinen Namen ganz cool fand. Und er stellte sich mir vor: „I am from New York, my name is Vogel“. Ich zum Barkeeper: „Ich hätte jetzt einfach nur gerne meinen Gin-Tonic“.

Den trinke ich nun auch….
Sig

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