Ein Eimer heißes Wasser

Heute war ein Tag des Genusses. Lisa und ich waren etwas shoppen, erfreuten uns an einer schnellen Internetleitung in einem nach langem Suchen gefundenen Café in Songea, kamen dann jedoch zu spät zur Vesper, sodass wir uns kurzerhand in die letzte Reihe der Kirche setzten und den Mönchen bei der Vesper zuhörten. Das war sehr berührend, Liturgie ist eben einfach schön. Danach wurden wir mit einem super gutem Essen verwöhnt – allem voran der selbst hergestellte Käse aus Uwemba. Nun bin ich ja kein Käsemensch, aber nachdem Lisa vor Genuss die Superlative zur Beschreibung des Geschmacks ausgingen, habe ich auch probiert und war schier von den Socken. Käse in geschmacklicher Vollkommenheit. Einfach super. Dazu gab es Salatgurken (!!!!), leckere Nudeln, Reis, Möhrengemüse (Möhren! Das fand Lisa ganz super), Kartoffelsalat (!!!) und Ei (zum dritten Male heute, da die Schwestern befürchten, ich würde als Veggie nicht genügend Proteine bekommen – so liab ;-) ).

Die Komplet im Anschluss war ebenso sehr schön. Und eben nun habe ich das erste mal nach über drei Wochen warm geduscht!!! Denn im Gästezimmer, in dem Lisa wohnt, gibt es warmes Wasser. Sie hat mir einen Eimer abgefüllt und ich das warme Wasser genossen. Toll :-) Und heute war es Abends wirklich frisch und wir haben beide etwas gefröstelt, da war das gleich doppelt toll. Habe in dem aufgefangenen Wasser dann auch gleich nochmal meine super Schuhe (Havianas, seeeehr zu empfehlen!) gewaschen, warmes Wasser muss man ausnutzen. Und nun fühle ich mich hygienisch rein, super :-)

Willst Du mich heiraten?
Diese hygienische Reinheit ist ein sehr wertvolles Gefühl. Wenn man hier wie ein Local unterwegs ist, nimmt man nämlich ganz schön viel Dreck mit, sitzt Schulter an Schulter mit fremden Menschen im Bus; schaut in die geröteten Augen magerer Männer, die auf einem Zahnstocher rumkauen, sieht man Babys die gesäugt werden; erschrickt, weil plötzlich ein Huhn in einer Handtasche ein Geräusch macht; man wird zudem vielleicht etwas unruhig, wenn die Stadt überfüllt ist mit Menschen, die ihre Partei feiern und dabei sehr uniform aussehen und irgendwie unvorhersehbar wirken. Man muss außerdem cool und doch vehement bleiben, wenn Männer kommen und einen betätscheln möchten und förmlich betteln, dass man sie heiratet (kein Scherz!).

Situationen wie letztere sind es dann aber, bei denen ich ganz und gar nicht freundlich bleibe. Allein heute kamen uns drei Männer eindeutig zu nahe, einer davon hatte einige Platzwunden im Gesicht, war sehr dreckig und strich mir mit seiner Hand beim Aussteigen aus dem Bus mit dem Satz „Heirate mich!“ (Lisa hat übersetzt) über die Wange. Das ist dann weniger lustig, ich habe möglichst böse und abwehrend geschaut. Glücklicherweise war die Situation nicht wirklich gefährlich, denn die Leute z.B. im Bus haben schon ein Auge auf einen. Vor allem nach einem freundlichen Lächeln zusammen mit einem „Wie geht’s?“.

Ähnliches ist mir auch gestern passiert, als ich am Busbahnhof stand und auf Lisa wartete. Das wird dann etwas unheimlich, wenn ein Typ die ganze Zeit in der Nähe bleibt und einen auf Swahili auch dann unentwegt zuquatscht, wenn man sagt, man verstehe kein Wort. Irgendwann bezog der Typ dann noch andere Männer mit ins „Gespräch“ ein und plötzlich standen um mich herum eine Handvoll Männer, die mich anschauten und über mich redeten. Cool bleiben wirkt auch hier. Ich habe einfach meinen Rosenkranz hervorgeholt und gebetet, haha. Man muss aber dazu sagen, dass ich mich dann vor die „Polizeistation“ gestellt hatte, das hat auch sehr geholfen. Doch ging ich nur ein paar Meter weiter, war ich schon wieder umringt. Dann aber von den Straßenverkäufern und all‘ den Busfahrern, die mich und viele andere als Mitfahrerin gewinnen wollten…

Morgen nun beginnt die letzte halbe Woche hier. Den Moment lebend schiebe ich den Abschiedsschmerz noch möglichst weit weg.

Gute Nacht.

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