Eine kleine Krise weiter…

Leider musste ich diesen Blog hier in den letzten Tagen etwas vernachlässigen. Das lag hauptsächlich an zwei Dingen: Kein Strom und soviel erlebt, dass es jeden Blog sprengen würde und am Ende dann gar nichts geschrieben, bzw. für die Stiftung auf’s kürzeste berichtet: patriziakinderhaus.wordpress.com 

Überspitzt im Schnelldurchlauf

Hier nun alles auf einen Blick, überspitzt formuliert, um der Gewalt der Eindrücke gerecht zu werden (sorry Mom, da musst Du jetzt durch):

In der letzten Woche stand ich am Tor eines Gefängnisses in Muhanga, während Häftlinge, darunter Genozidäre, an mir vorbei liefen, bewacht von einem Wachmann mit Maschinengewehr. Ich bin wild Pikipiki-Taxi von A nach B gefahren und einmal war es nur ein kleines Stück, ehe uns jemand gerammt hätte, und ich hatte trotzdem nie Angst. Ich hatte zwischenzeitlich einen kleinen Ausschlag, den ich beobachtet und parallel nochmal den Film „Hotel Ruanda“ angeschaut habe, während ich in einem Hotel in Kigali war. Pusteln gingen wieder zurück, dafür kamen Halsschmerzen, gegen die ich aus einer Pharmazie in Muhanga Lutschpastillen besorgt habe, die dann auch noch halfen. Dafür kam Schnupfen.

Ich habe politischen Diskussionen in der besten Gegend Kigalis beigewohnt und Papaya gegessen. Ich habe Menschenknochen, Kleidung und Rosenkränze der Genozid-Opfer in der Gedenkstätte Ntarama gesehen und erlebt. Ich habe jede Menge Fotos geschossen und zugleich auch Kinder erlebt, die vor mir wegen meiner Kamera wegliefen. Ich bin nach Entebbe, Uganda geflogen.

Bananenbrei in Uganda

Ich war zwei Tage komplett pleite, weil ich mein letztes Bargeld für das $100-Visum bei der Einreise nach Uganda verprassen musste, da meine VISA-Card an den ATMs am Flughafen nicht funktionierte. Ich habe tonnenweise roten Staub in Uganda eingeatmet und gedacht, die Fahrt – auf deren Länge von am Ende 6 Stunden ich nicht vorbereitet war – würde niemals enden. Sie begann witzig mit Fahrer John, der mir Blumen und Bananen schenkte und dem etwas hyperaktiven und unglaublich gastfreundlichen Father Charles. Sie endete ängstlich, da mich der Fahrstil des Pfarrers am Ende zum Zittern brachte.

In Buyamba bin ich irgendwo im Nirgendwo, hatte die ersten zwei Tage kaum Akku und keinen Strom und kein Geld und war einen Moment lang verzweifelt. Heute nun fehlt es mir lediglich an Taschentüchern. 

Und die Menschen hier essen Morgens, Mittags, Abends „Mutake“ – Bananenbrei. Aber dazu gibt es natürlich Beilagen. Die schmecken auch, nur mein Magen…na lassen wir das.

Und heute nun geht es mir – bis auf die Erkältung – soweit gut, ich bin lediglich „voll“.

Gute Nacht aus Buyamba,

Stefanie 

4 thoughts on “Eine kleine Krise weiter…

  1. Danke für diese bewegenden Eindrücke! :-O Gibt es denn irgendwas wie Banken oder Ämter, bei denen man zur Not Geld abheben kann? Was sind Genozidäre Häftlinge? Heißt das, sie haben sich am Genozid beteiligt?

    Wünsche dir viel Kraft für den Rest deiner Zeit dort und vorallem Gesundheit!

    • Liebe Sabine, das mit dem Geld hatte dann glücklicherweise ja geklappt, man muss die ATMs einfach durch probieren… Man kann sich auch an die immer langen Schlangen am Bankschalter in der nächst größeren Stadt anstellen und im höchsten Notfall gibt es Geldtransfer per Western Union.

      Ja, Genozidäre haben sich während des Genozida strafbar gemacht, getötet.

      Danke, Erkältung scheint mittlerweile auch soweit überstanden zu sein.

      LG, Ssanyo

  2. Beeindruckende Berichterstattung, extrem bewegende Zeit.

    Denke fest an Dich und bin gefesselt davon was Du erlebst und wie Du es meisterst. Hut ab und viel interkontinentale Energie zu Dir nach Afrika!

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