Gringo mit roter Nase unterwegs im Inka-Land

Meine kleine Reise nach Cusco sollte ja trotz der Kürze der Zeit mit einigen wichtigen kulturellen Highlights gespickt sein. Macchu Pichu bleibt zwar unschlagbar, aber wenn man schonmal da ist… Jedoch zeigte sich heute ein weiteres Mal, dass man sich echt loneley auf diesem planet fühlt, wenn man sich am Loneley Planet-Reiseführer orientiert. Vor allem, wenn man sich alleine in einem Land bewegt, dass es mit Touri-Navigation per Infokästen o.Ä. nicht so hat…

Heute war Sonntag, ich hatte im Reiseführer gecheckt, ab wann die Museen, die ich besuchen wollte, offen haben. Alle ab Mittags/Nachmittags… Daher wollte ich den Vormittag nutzen, um nach Pisac zu fahren. Wuhuhuuuuu, was für eine Idee…

Auf der Pariwana-Citymap war vermerkt, wo ein Bus nach Pisac abfährt. Ich schlenderte also optimistisch los und fand auch den Bus… Glaube ich zumindest. Laut Karte war ich richtig… Doch die Situation war mir etwas unheimlich. Der vermeintliche Pisac-Bus stand mit seinem rostigen Charme in einer Hofeinfahrt. Die wenigen Menschen drumherum reagierten zumindest nicht auf meinen fragenden-unsicheren Blick, irgendwie schlief die Stadt eh noch. Da ich außerdem der einzige Touri war, war mir das ganze nicht geheuer… Ich fühlte mich auch nicht sicher genug, diese Szene zu fotografieren. Schade ;)

Also: Planänderung… Zurück ins Zentrum, einen WiFi-Zugang suchen und checken, wie man noch nach Pisac kommt…

Wasserbomben-Karnevals-Action in Cusco

Im Zentrum steppte mittlerweile der Bär: Karneval in Cusco. Nach einer Ansprache am Plaza de Armes startete drumherum ein Umzug mit traditionellen Tänzen und Musik. Es scheint außerdem typisch zu sein, sich gegenseitig mit Wasserbomben und Schaum zu bewerfen. Überall wurden solch‘ Schaumdosen verkauft und aus großen Wasserbottichen wurde ein Ballon nach dem anderen mit Wasser gefüllt. Beworfen wurde der, der gerade vorbei kam. Ein Karnevalsschlachtfeld.

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Ins 33 km entfernte Pisac kommt man auch mit Gruppentaxis, es gibt eine Stelle, wo diese abfahren, hieß es im Tripadvisor-Forum, oder eben per Solo-Taxi. Gut, gespeichert. Jetzt wollte ich erst einmal in das Naturmuseum, in dem u.A. die medizinische Verwendung von Pflanzen erklärt werden sollte. Öffnungszeit laut Reiseführer auch Sonntags ab 12 Uhr. Öffnungszeit laut Aushang am Museum nur Montag bis Samstag… Na wunderbar.

Da überall die Wasserbomben flogen, wollte ich nun also erst einmal aus der Stadt flüchten und ließ mich per Taxi zu der Stelle bringen, wo die Gruppentaxis abfuhren. Der Fahrer war sich nicht ganz sicher, wo das sei. Wir hielten in einer zerlodderten Gegend, wo die Wände mit zerfledderten Plakaten beklebt waren, auf denen „Pisac“ stand (so wie in Deutschland Werbeplakate für Konzerte o.ä., also nichts wirklich offizielles ;)). Ein Indiz, richtig zu sein.

Wir hielten an einer Ecke, ein Mann rief uns „Pisac“ zu. Wir nickten eifrig und ich freute mich, am richtigen Ort gelandet zu sein. Als ich gerade zahlen wollte, öffneten sich die Türen der hinteren Sitze und der Mann und seine Frau stiegen hinzu, in der Überzeugung, dass wir Richtung Pisac fahren. Der verwirrte Blick des Taxifahrers perfektionierte die Komik dieser Situation und ich grinste noch den ganzen Tag, wenn ich daran dachte.

Ich war aber dennoch an der richtigen Straßenecke. Ich kam mir etwas bescheuert vor, bei jedem anhaltenden Taxi zu fragen, ob es nach Pisac fährt. Doch irgendwann rief einer laut „Pisac“. Juchu. Ich stieg dazu, mal wieder weit und breit kein anderer Tourist in Sicht, saß ich da zwischen den Einheimischen und ließ mir den Wind um die Nase wehen.

Von Pisac nach San Salvador und wieder zurück

Leider, wie so oft, hielt das Taxi nicht im Stadtzentrum, sondern am Rande und in diesem Fall auch an einer Baustelle. Da wie immer kein Schild oder irgendwas ähnliches Orientierung gab und keine anderen Touris zu sehen waren, folgte ich einfach meinen Mitfahrern. Die wechselten in ein weiteres Gruppentaxi, dass nach San Salvador fuhr. Glücklicherweise sprach eine der Passagiere englisch und ich fragte, wo ich hin müsse. Sie fragte, ob ich ins heilige Tal wolle, ich bejahte. Sie meinte, dann wäre San Salvador eines davon. Also stieg ich dazu.

Das Taxi hielt aber nicht in San Salvador, sondern in einem Vorort. Nein, da wollte ich nicht aussteigen. Ich fragte, ob es denn nirgendwo einen Tourist-Guide gäbe. Sie meinte, den gäbe es in Pisac. Ich bat sie dann darum, dem Fahrer zu sagen, er solle mich zurück nach Pisac und dort zu einem Touri-Guide bringen. Das Gelächter war mir sicher. Das Wort „Gringo“ fiel auffallend häufig. Ich trug immerhin dazu bei, das der junge Fahrer und sein Freund jede Menge Spaß hatten. Und über mich selbst konnte ich auch gut lachen. Nun ging es erstmal nach San Salvador (wobei ich ja da noch dachte, wir seien schon in San Salvador… seufz).

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In San Salvador angekommen wurde ich an einen anderen Fahrer übergeben. Der fuhr das wohl dreckigste Taxi, das mir je begegnet ist. Hinzu stiegen Einheimische, darunter eine alte Frau in dickem Wollpulli und ihr Enkel. Beide wirkten irgendwie sediert. Die Situation war wirklich komisch, zumal wir zu viert aneinander gedrängt in einer 3er Sitzreihe saßen. Ich wechselte nach vorn, als der Platz frei wurde. Der Fahrer bohrte genüsslich in der Nase, es stank im Fahrerraum nach Kuhmist oder so… Ich machte drei Kreuze, als ich wieder an der Baustelle war. Und ich lief jetzt einfach mal los.

Das hätte ich gleich tun sollen. Denn – oh Wunder – es gibt sie tatsächlich. Hellhäutige Menschen mit Kamera. Durchatmen. Ich fand dann auch den traditionellen und riesigen Handwerks-Markt, der soviel gelobt und als absolut sehenswert eingestuft wurde. Und auch hier wurde Karneval gefeiert.

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Die Sonnenterassen der Inka konnte ich nur von weitem betrachten. Da es mittlerweile eh später Nachmittag war und ich erst einmal genug von Fahrten ins Ungewisse hatte, sah ich von einem Besuch sonstiger Inka-Stätten ab und beließ es bei einem Spaziergang durch Pisac, ehe ich zurück nach Cusco fuhr. Ein Gruppentaxi hier im Zentrum zu finden, war unproblematisch und ich war auch nicht mehr die einzige Touristin.

Auf der Fahrt kann man ganz viele traditionelle Lehmhäuser sehen, ich konnte nur wenige Fotos aus dem Auto heraus machen. Mein sonnengebranntes rotes Näschen brannte und ich war ziemlich k.o., als ich wieder in Cusco ankam. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich übrigens allen Wasserbomben entgehen. Jetzt am Abend traf mich eine und ein kleiner Frechdachs sprühte mich von oben bis unten mit Schaum ein. Ich nahm es mit Humor ;)

Doch dann erstmal Hunger und runterkommen…hier im Inka-Land.

Liebe Grüße,
Sig