Kinderseelen

Der heutige Beitrag startet und endet nachdenklich. Der Völkermord in Ruanda ist erst 20 Jahre her und es gibt hier viele Gedenkstätten, eine davon befindet sich in Kigali. Diese haben wir heute besucht. Als ich das Foto von David sah, musste ich mich kurz setzen, inne halten, atmen.

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David war 10 Jahre alt und träumte davon, Arzt zu werden.
David, der kleine Junge, wurde zu Tode gequält.

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Kinder wurden einfach geschlagen, erschossen… Aurore war 2 Jahre alt, als sie gegen eine Wand geworfen wurde und starb.

Der „Children’s room“ im Genocide Memorial Centre in Kigali hat mich heute besonders berührt, schockiert und mich schweigen lassen. Ehe ich weitertippe, schweige ich noch einmal.

„When I am at the market, in the midst of a crowd,
I always think, I might just find my brothers“, Rose, 10 Jahre.

„Schockiert“ ist so ein kantiges Wort, viel zu kantig für all‘ die zerbrochenen und geschundenen Seelen. Am Ende eines Massakers bleiben tausende Waisenkinder, tausende vergewaltigte Frauen, tausende traumatisierte Menschen, unzählige Tränen und kaum heilbarer Schmerz. Das Memorial Centre hat all‘ das mit viel Respekt vor den Opfern aufbereitet und einen Ort geschaffen, an dem man sich ihrer bedächtig erinnern kann. Wie grausam Menschen sein können, bleibt für mich unfassbar. Tröstend ist es zu wissen, das Menschen auch füreinander einstehen und in den Arm nehmen können.

Am Ende des Besuchs im Memorial Centre konnte ich nicht viel mehr tun als zu beten. Einige derer, die hier lesen, können damit nichts anfangen. Doch Gebete sind meiner Meinung nach eine wunderbare, sensible, unaufdringliche und respektvolle Möglichkeit, sich mit Menschen zu verbinden und auch mit Kinderseelen, die nie erwachsen werden durften.

Grüße

Zur Auflockerung möchte ich an dieser Stelle Sr. Claudiana grüßen ;-)

Wie gestern angedeutet, bin ich heute nun mit Rudolf in Kigali angekommen, wir haben unser Lager also gewechselt und ich konnte endlich gescheit duschen :-D Sogar mit warmen Wasser!!! Wir sind heute Morgen übrigens mit dem Bus nach Kigali gefahren. Dieser war sogar relativ gut in Schuss und ist nicht absolut überfüllt gefahren. Wer also mal Afrikafeeling erleben, es mit dem Mut aber nicht übertreiben möchte, der kann ja mal nach Ruanda kommen ;-)

Viel mehr gibt es heute gar nicht zu sagen, morgen geht es nach Ntarama zum KinderHaus.

Gute Nacht mit W-Lan aus Kigali :-)

Stefanie

One thought on “Kinderseelen

  1. Liebe Stefanie,
    heute erst bin ich dazu gekommen, alle Deine Beiträge zu lesen und Dich in Gedanken und im Gebet auf Deinem Weg zu begleiten. Das ist ja alles unglaublich, was Du da in kurzer Zeit an schwer ertragbaren Eindrücken erlebst. Und so mutig und stark von Dir, Dich all dem auszusetzen und nicht zu kneifen!! Die Frage stelle ich mir auch oft, warum Menschen zu anderen Menschen, und vor allem zu unschuldigen Kindern, so grausam sein können, vor allem auch angesichts der dramatischen Ereignisse in Europa, wo die Flüchtlingsströme nicht aufhören, und immer wieder so viele Menschen, auch Kleinkinder, bei der Überfahrt ertrinken. Es ist alles so unglaublich traurig… Ja, Du hast recht: manchmal kann man nur schweigen und beten….
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und Gottes Beistand für diese Reise, und komm gut wieder nach Augsburg! Ich freue mich darauf, Dich wiederzusehen.
    Bist Du am 12.9. schon zurück? Da ist die Taufe von Niclas.

    Alles Liebe
    Brigitte

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