Weit über dem Basisprogramm

Gestern hab ich nachgedacht und beinahe die moralische Steinschleuder ausgepackt. Die Munition: Wir in Deutschland haben Luxusprobleme…. wir denken über maximale Ergonomie bei Matratzen nach, während man hier froh ist, eine zu haben… Wir klagen über lange Wartezeiten beim Doc, hier müssen die Leute überhaupt erstmal stundenlang anreisen und können den staatlichen Leistungen nicht vertrauen… Wir meckern über Politiker, hier wird ein Mehrparteiensystem erst aufgebaut… Wir räkeln uns in Beziehungsproblemen, hier fehlt jede Romantik und auch wenn man weiß, dass es schlimmer geht, setzt man noch einen drauf. Gibt Geld für Tattoos aus oder spielt PlayStation…

“Stop!” dachte ich mir dann. Das ist ja alles auch so. Das ändert aber nichts daran, dass wir dennoch unsere Verpflichtungen, Sorgen und Nöte haben, trotzdem täglich arbeiten gehen, uns versorgen müssen, für vieles verantwortlich sind.

“Naja…”, dachte ich als nächstes. Ein bisschen Kuschelkurs ist es dennoch. Immerhin ist bei uns das Basisprogramm relativ sicher: Hygienisches Wasser aus dem Hahn, Fachärzte, die unsere Krankenversicherer zahlen (egal, wie gut oder schlecht), Wohnungen mit wenig Viehzeug, sichere Lebensmittel (ja! Trotz alle Skandale), Kinderbetreuung (wenn auch vielleicht nicht für jeden gleichermaßen leicht verfügbar) und so weiter. Und diese Grundausstattung bringt uns vermutlich dazu, immer mehr zu wollen und herum zu optimieren, obwohl wir den Zenit längst überschritten haben, uns schon vor Jahrhunderten auf Kosten anderer voran bewegten.

“Trotzdem!”, grübelte ich weiter. Wir sind ja trotzdem Menschen, die sich über etwas ärgern, Trost brauchen, sich über etwas freuen, etwas erreichen, sich belohnen oder beruhigen wollen. Und zwar alles erstmal unabhängig davon, ob jemand anderes durch uns Schaden nahm. Dürfen wir nicht alle diese Emotionen ertragen, indem wir mit Freunden um die Häuser ziehen, uns Tattoos stechen lassen oder Videospiele spielen?

“Schön,” denke ich, “wäre es doch, wenn jeder so optimiert, dass am Ende niemand oder nichts mehr Schaden nimmt und bis dahin in allem Komfort schwimmend sich zumindest dessen bewusst ist, was man hat und sich daran jeden Tag dankbar erfreuen kann.”

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